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Tag Archives: Public Viewing

Dank der grenzenlosen Gier des Veranstalters der Fußball-Geldmeisterschaft könnte uns allen so manches „public viewing“ erspart bleiben, wie die Financial Times Deutschland berichtet:

Public Viewing war der Renner bei der Fußball WM 2006. Fremde Menschen lagen sich in den Armen, teilten Freud und Leid – und das alles, weil sie gemeinsam vor einem Bildschirm dem Ereignis Fußball folgten. Für die Fifa ein Riesengeschäft. Über ihre Marke „Weltmeisterschaft“ will sie diesmal die volle Kontrolle behalten, sogar über das bloße Aufstellen eines Fernsehers außerhalb der eigenen vier Wände.

Ein Fall aus Berlin könnte dabei zum Präzedenzfall werden. Johanna Ismayr, Betreiberin des Bundespressestrandes an der Spree, möchte zur WM eine Leinwand aufbauen und die Spiele zeigen. Das meldete sie im Februar auf der Fifa-Webseite an. Doch der Fußballweltverband verbot ihr das Vorhaben. Schließlich gebe es in Berlin schon ein Fifa-Fan-Fest. Weitere Public-Viewing-Lizenzen könnten deshalb nicht ausgestellt werden.

Es steht allerdings zu befürchten, dass die FIFA hier — um diese dumme Metapher einmal zu verwenden — ein Eigentor erzielt hat. Die Rechtsauslegung nach FIFA-Gutherrenart könnte nicht so ganz kompatibel zum gültigen Recht in Deutschland sein, und von daher könnte es zu einer Menge Möglichkeiten für fahnenschwenkende Ball-mit-Deutschland-Verwechsler kommen, kollektiv eine Leinwand anzuschreien. Hierfür darf dann allerdings kein Eintritt erhoben werden:

„Veranstalter, die ohne Erhebung eines Eintrittsgeldes WM-Spiele öffentlich zeigen möchten, brauchen hierfür keine FIFA-Lizenz“, formuliert es die Berliner Rechtsanwaltskanzlei Härting in einem Schreiben. Sie beruft sich auf § 87 des Urhebergesetzes.

Gier macht eben doof. Das gilt auch für die FIFA, den Veranstalter der Fußball-Geldmeisterschaft 2010.

Public Viewing, vor einer Kirche, von der Gemeinde veranstaltet

So sah es an vielen Orten, die besser ruhige Orte geblieben wären, im Jahr 2008 aus. Dieses Bild ist ein von einem „public viewing“ genommen, das vor einer idyllisch gelegenen Kirche stattfand und von der Kirchengemeinde veranstaltet wurde. Wenn man die Leute schon nicht mehr anders in die Kirche bekommt, denn eben mit Bratwurst, Brüllen und Bier… und Tretball. Immerhin, das Anschreien nicht gegenwärtiger Menschen auf einer Leinwand wirkt gar nicht so anders als das Anbeten eines nicht gegenwärtigen Gottes.

Ein Rückblick auf den fahnenschwenkenden Taumel zur FIFA-Fußball-WM 2006 ist ein Ausblick auf den kommenden Sommer und die allgegenwärtigen Zustände:

Da muss man doch einfach mitmachen! Also: Macht Deutsch die Scheiße!