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Tag Archives: Journalismus

Screenshot aus Google News, Ressort Sport

Was eint ZDF, Neue Zürcher Zeitung, n-tv, Focus, Deutsche Welle, FAZ, Welt, Zeit, RP, Frankfurter Rundschau und die ganzen anderen Auswürfe des Journalismus-Betriebes im Internet? Dass sie unter Journalismus verstehen, in der Hast einer zum Selbstzweck gewordenen Aktualität möglichst unreflektierte Meldungen mitten ins Spiel zu bringen, als ob jemand, der sich für den Spielverlauf interessiert, nicht eher die Glotze einschalten oder einen der vielen speziellen „Live-Ticker“ benutzen würde, die übrigens auf den gleichen Internet-Präsenzen dieser Presseprodukte angeboten werden.

Aber auf der unentwegten Jagd der Contentindustrie nach Klicks (die mit dem Reklamevermarktern abgerechnet werden) ist eben jedes Mittel recht. Nur nicht Reflexion und Sorgfalt in der Berichterstattung. Der Ball ist nur ein Köder fürs Klickvieh.

Und das. Gibt einen Eindruck in die Zweckbestimmung der sonstigen „Nachrichten“ in diese Produkte.

Beim Veranstalter der Fußball-Geldmeisterschaft mag man keine Kritik — und kritische Journalisten werden einfach mit einem Maulkorb stummgemacht, damit die Show auch ja den richtigen Eindruck in Presse und Glotze macht:

In den Akkreditierungsregeln der Allmächtigen aus dem Palaste FIFA, c/o Zürich finden sich […] einige […] Bedingungen, die anzuerkennen jeder Journalist sich „rechtlich verbindlich“ zu verpflichten hat […]

Und um dem Fass den Boden auszuschlagen, untersagt die FIFA, man sperre die Lauscher weit, weit auf: „die FIFA in Misskredit zu bringen“ – beziehungsweise „die Reputation der Weltmeisterschaft zu beschädigen“.

Das ist ein astreiner Maulkorberlass, ersonnen von einem Verein profit- und kontroll- und herrschsüchtiger Magnaten, die schon mal kritische Journalisten zu Personae non gratae erklären und dabei gewiss die Präambel des eigenen Ethikcodes im Sinn haben, die folgendermaßen beginnt: „Die FIFA trifft eine besondere Verantwortung, die Integrität und das Ansehen des Fußballs weltweit zu wahren. Die FIFA ist unablässig bestrebt, den Ruf des Fußballs und insbesondere der FIFA vor unmoralischen oder unethischen Machenschaften und Praktiken zu schützen.“

So weit die „Deutsche Welle“, und selbst in der Republik Südafrika hat man gegenüber diesen gutsherrschaftlichen Zensurbestrebungen der FIFA eine klare Einsicht:

Das Komitee für Pressefreiheit des südafrikanischen Zeitungsverlegerverbandes bezeichnete die Akkreditierungskonditionen der FIFA als „Verletzung der Pressefreiheit in großem Ausmaß“. Der Vorsitzende Thabo Leshilo fügte hinzu: „Es ist empörend, womit die FIFA gewohnt ist durchzukommen.“

Von diesen Dingen wird im Sommer, wenn die Menschen zum massenhaften Brüllen, Saufen und Kaufen gebracht werden sollen, gewiss keine Rede mehr sein. Hauptsache, alles brüllt „Tschlannd!“ und jeder kritische Gedanke verstummt. Denn das ist besser für das Geschäft mit dem simulierten Nationalismus.

[via Bits of Freedom]