Skip navigation

Tag Archives: Braunes

Wer schon einmal auf seinem Weg einer Horde brüllender, besoffener Idioten begegnet ist, die im Sommer Schals tragen, sich darin gefallen, in jeder nur erdenklichen Weise Krach zum machen und barbarische Gewaltbereitschaft gegen alles, was weniger dumpf als sie selbst ist zu demonstrieren und dabei auch vor offenem Abgröhlen von Naziparolen nicht zurückschrecken, der wird es wohl nicht so überraschend finden, dass es einen Zusammenhang zwischen Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Islamophobie, Antisemitismus und dem recht inszenierten, künstlichen Nationaltaumel einer Fußball-WM gibt. Und wer noch nie einer solchen Horde von leicht steuerbaren potenziellen Mordbrennern begegnet ist und eher dem tollen Getue zur größten kommerziellen Sportveranstaltung der Welt aus Glotze und Journaille glaubt, der wird es vielleicht erhellend finden, wie in der Süddeutschen Zeitung eine Studie des Institutes für Konflikt- und Gewaltforschung vorgestellt wird, die jedem anderen Menschen nur bestätigt, was er aus eigener Erfahrung mit diesem Mob schon vorher wusste:

Der Leiter des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld stellte gestern in Berlin die neuen Ergebnisse einer Langzeituntersuchung zu „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ vor. Unter diesem etwas sperrigen Begriff sind Einstellungen wie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamophobie zusammengefasst, aber auch die Abwertung von Homosexuellen, Behinderten oder Frauen.

[…] In dem diesjährigen fünften Band widmen sich gleich zwei Aufsätze dem Fußballtaumel und den Instrumentalisierungsversuchen der Politiker. Im ersten Beitrag weisen drei junge Wissenschaftler anhand der Langzeitdaten ziemlich überzeugend nach, dass Nationalstolz zu „Fremdgruppenabwertung“ führt. […]

[…] Die Vermutung, dass es sich dabei um eine neue, offene und tolerantere Form der Identifikation mit dem eigenen Land handelt, lässt sich allerdings nicht bestätigen. […] Über die Betonung der ‚Schicksalsgemeinschaft‘ mit raunendem Tiefgang sollen jene Angehörige der Mehrheitsgesellschaft emotional wieder integriert werden, die andererseits sozial desintegriert worden sind.

Advertisements

Am na­tio­na­lis­ti­schen Hype rund um die Män­ner-​Fuß­ball-​Welt­meis­ter­schaft 2010 be­tei­li­gen sich auch die Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker der „Band­brei­te“, die ein schwarz-​rot-​gol­de­nes Lied her­aus­ge­bracht haben, in dem Deutsch­land ge­hul­digt wird. Das Lied nennt sich „Welt­meis­ter (Ja watt denn)“ und ist eine Ode an den deut­schen Ju­bel-​Na­tio­na­lis­mus, der für den Som­mer 2010 her­bei­ge­sehnt wird: „Die Stim­mung steigt, das Bier ist knapp, schon geht mir einer auf den Sack“ […]

Mit dem Na­tio­na­lis­mus, den die heu­ti­ge deut­sche Ge­sell­schaft her­vor­bringt und mit deren ras­sis­ti­schen Aus­gren­zungs­me­cha­nis­men hat „Die Band­brei­te“ in jedem Fall kein Pro­blem. Statt­des­sen diese schwarz-​rot-​gol­de­nen Orgie der „Band­brei­te“, in dem es darum geht, dass die Deut­schen Deutsch­land fei­ern sol­len. Neben die­ser Sehn­sucht nach der Fei­er-​Volks­ge­mein­schaft be­sticht der Track der „Band­brei­te“ durch die Ab­nei­gung gegen die Men­schen, die diese Feie­rei nicht mit­ma­chen wol­len. Gegen „das ewige Ge­heu­le“ der „Pes­si­mis­ten“. Es klingt wie eine Dro­hung wenn die Band tex­tet: „Wir las­sen uns von kei­nem die Stim­mung mehr ver­sau­en“.

Weiterlesen — Reflexion: WM-Nationalismus

„Ein Baum, ein Strick, ein Judengenick“ — so kann das Gebrüll von Fans klingen, die ihre persönliche Verantwortung an den Gruppenprozess des kollektiven und angesoffenen Brüllens zu irgendwelchem Ballgetrete abgeben. Dieser Ausruf wurde — neben etlichen anderen, nicht minder menschenverachtenden Worten — beim Bezirksklassespiel SV Mügeln-Ablaß gegen Roter Stern Leipzig gehört.

Als die Mannschaft vom Roten Stern Leipzig nach achtzig Minuten den Platz verließ, wurde ihr vom Stadiosprecher über eine Lautsprecheransage „Feigheit“ vorgeworfen. Denn

[…] man müsse über so etwas hinweg schauen. Oliver Kahn wäre schließlich auch mit Bananen beworfen worden und hätte darüber nur gelacht.

Bitte auch an diesen Alltag des Fußballs denken, wenn zur kommenden Geldmeisterschaft werbend und dreist von der völkerverbindenen Schönheit des Sports und friedlich feiernden Fans gesprochen wird.