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Tag Archives: Absurdes

Eigentlich hätte ich ja gern ein paar satirische Texte zum Thema geschrieben, aber das wird mir immer schwerer, wenn ich die realsatirische Wirklichkeit vor Augen habe. Das hier ist zum Beispiel…

Hakle Weiß Super Vlausch -- Deinem Po zuliebe

…eine Packung Klopapier. Bei Klopapier — im derben Volksmund des Soziolektes des mich umgebenen Lumpenproletariates auch „Bratzpappe“ genannt — handelt es sich ja um gefällte Bäume, die dazu dienen, nach der Defäkation die Kotreste aus dem Analbereich wegzuwischen, oder deutlich deutsch gesagt: Um etwas, was ab Werk der Scheiße gewidmet ist. Bislang hätte ich nicht gedacht, dass diese Produktlinie besonders geeignet für den aufgesetzten Nationalismus in der Reklame sei, aber bei Hakle scheint man damit kein besonderes Problem zu haben. Denn jetzt ist Tschlanndbrüllmeisterschaft, und da sind die Ansprüche an das Prädikat „deutschnationalfarben“ eben herabgesenkt, da kann auch der letzte Scheiß noch notdürftig mit Fußball und Tschland verknüpft werden, indem derartiges einfach großindustriell draufgestempelt wird. Dass der Werber, der diese tollhäusige Idee hatte, keine kognitiven Dissonanzen verspürte, Deutschgetue mit dem Spruch „Deinem Po zuliebe“ zu verquirlen, gibt der darin mitschwingenden Verachtung seiner „Zielgruppe“ breiten Ausdruck — und die Meinung zum professionell betriebenen und zum breiten Transport von Reklame und dumpfen Wirgefühlen benutzten Fußballsport, die sich im schwitterswürdigen Wortgetüm „Ran an den Pokal“ Raum geschaffen hat, deckt sich ausgesprochen fröhlich mit meiner eigenen Auffassung. Wobei ich allerdings befürchte, dass die bierduseligen Tschlanndbrüller bei weitem nicht das Feingefühl haben, hierin einen gelungenen Witz zu sehen, sondern wie die konditionierten Konsumdeppen das so beworbene Produkt kaufen werden. Die kaufen ja auch sonst jeden Scheiß. Und so werden sie unter der angegebenen Telefonnummer anrufen und fröhlich ihre Tschlannd-Gesänge in den Telefonhörer rülpsen, weil ihnen ein Werber gesagt hat, dass Deutschland und diese Brüllballmeisterschaft für den Arsch sind. Die deutsche Sprache übrigens auch, wie sich an der werbend-„kreativen“ Falschschreibung „Vlausch“ zeigt.

Und das ist mehr und tödlichere Satire, als ich sie jemals hinbekäme. Gut, dass sogar ein Hund mit auf der Packung ist, der brav unter der Flagge hervorblickend noch auf die Aktion „Mach Deutsch die Scheiße“ verweist. Wer bis jetzt Zweifel hatte, der hat nun Gewissheit und kann mitmachen.

Nur eine Frage bleibt (vorerst) offen: Ob die so deutschbeflissenen Werber für Hakle wohl hauptberuflich für die Titanic arbeiten…

Mit welcher unfassbaren Nullduseligkeit noch die fernliegensten Meldungen in die unerwartesten Ressorts gepresst werden, um die kommende FIFA-Männerfußball-WM 2010 in Südafrika zu einem überall präsenten „Ereignis“ zu machen, dem man kaum entkommen kann, möge die folgende Meldung aus dem Gesundheits-Bereich im Videotext der ARD belegen:

Keine Pollengefahr für Fußballfans -- Pollenallergiker unter den Fußballspielern und WM-Fans in Südafrik können tief durchatmen: Ihnen droht höchsten Fußballfieber, aber kein Heuschnupfen, gab die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) in Berlin Entwarnung. 'Für Pollenallergiker ist Südafrika zur WM-Zeit ein idealer Aufenthaltsort', sagte Prof. Zuberbier. Auf der Südhalbkugel ist derzeit Winter, allerdings in Südafrika bei milden 20 Grad Celsius. Die Pollenbelastung sei in dieser Zeit gering, zudem beruhige in Küstennähe das feuchte Meeresklima die Atemwege zusätzlich

Na, so „entwarnt“ können ja alle froh sein, dass sie vorher die unhörbaren Warnungen für Allergiker gar nicht gehört haben können. Also durchatmen und ganz schnell und lost minute den Fluch nach Südafrika buchen, ihr Idioten!

Unfassbar, wie billig solche Versuche sind, den Kickirrsinn auch noch in jenen Bereichen des Newsbetriebes zum Thema zu machen, wo er keines ist. Sie sind wahrscheinlich so billig, wie das Zielpublikum für die so geschaffene Aufmerksamkeit billig ist. Schön, dass auch die Medienschaffenden ihrer Verachtung für die Brüllaffen vollen Ausdruck verleihen, ich wollte nur, dies geschähe viel offener.

Es gibt ja keine Neger mehr. Jedenfalls wird dieses Wort nicht mehr gesagt, denn es gilt inzwischen als verwerflich, solche Wörter zu benutzen — und während so die Sprache von Ausdrücken gesäubert wird, kann man sich einreden, dass die Menschen einander mit größerem Respekt begegnen. In Wirklichkeit wird nur das nächste Wort zum Ausdruck des Schimpfes gemünzt, und die dumpfen Idioten verachten alles andere wie gehabt. Aber Neger, die gibt es nicht mehr. Nicht in der Sprache.

Dass es keine Neger mehr geben darf, war ja ein gewisses Problem für die Firma „Dickmanns“, deren Negerküsse plötzlich neben aufgeschäumtem Gelantinezucker, Waffel und einem dünnen Überzug Schokolade den Beigeschmack von Rassismus bekamen. Darauf hat die Firma „Dickmanns“ schnell reagiert und ein Wort gewählt, das den Sprachwäschern besser entgegen kommt; die Bezeichnung „Schokoküsse“ ziert jetzt schon so lange die Packungen, dass eine ganze Generation das einst so gebräuchliche Wort nicht mehr kennt. Die „Neger“ werden von den Idioten dieser Generation jetzt „Bimbo“ genannt. Ein totaler Enderfolg der political correctness, und der Fraß in der Packung ist so ungesund wie schon immer.

Aber „Dickmann“ möchte jetzt auch auf den Zug der FIFA-Männer-Geldmeisterschaft aufspringen, und deshalb wird jetzt für ein paar Wochen ein neues Wort auf die Papppackungen mit dem Drecksfraß gestempelt: „Deutschlandküsse“. Ob das Wort „Deutschland“ wohl auch bald als „politisch unerwünscht“ durchgehen wird? :mrgreen: