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Der schwarz-rot-doofe Wahnsinn ist überstanden.

Sicher, in ein paar Stunden treten noch einmal ein paar Männer im fernen Südafrika nach lederumhüllter Luft, und in Deutschland brüllen und tröten ein paar Leute herum. Aber das wars. Es wird schon viel ruhiger werden, als es bis zum Platzen aller Weltmeisterträume an der Spielstärke der Spanier war. Und die Fähnchen sind zum Teil bereits jetzt eingeholt worden.

Vielleicht wehen ja noch ein paar Stoffe im warmen Wind, vielleicht auch noch so manches patriotisch korrekt gefärbtes Stück Papier auf einem Häuflein Hundekot. Aber diese Aktion ist vorbei, genau wie der scheinbar nationale Taumel angesichts der größten kommerziellen Sportveranstaltung der Welt vorbei ist.

Und sollte es nicht zur Europameisterschaft im Jahre 2012 wieder ein Thema werden, wird auch diese Website ruhen. Sie ist ein Denkmal der Erinnerung an den Sommer 2010, der voller Fahnen und Gebrüll war. Und als solches Denkmal — oder besser Mahnmal — soll sie hier liegen bleiben.

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Infantil sein ist derzeit hip. Es ist völlig ok, das Auto mit acht Deutschlandfähnchen zu verzieren (von den schwarz-rot-goldenen Seitenspiegel- und Motorhaubenüberziehern abgesehen), mit schwarz-rot-goldenen Cowboyhüten durch die Fußgängerzonen zu stolzieren oder die ganze Nachbarschaft mit Tröten um den Verstand zu bringen, die an fußkranke Elefanten auf dem Weg zu ihrem Friedhof erinnern.

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Mein ganz großer Dank geht an die spanische Mannschaft.

Nein, ich habe das Spiel nicht gesehen. Es interessiert mich auch nicht, wer in welcher Weise wie ästhetisch oder wirksam nach Luft tritt, die von Leder umhüllt ist, und wenn so etwas in der fernen Republik Südafrika geschieht, denn fügt sich das zu den chinesischen Reissäcken und geht mir so richtig am Allerwertesten vorbei.

Dennoch habe ich erfahren, wie das Spiel ausgegangen sein muss. Denn ich war unterwegs. Ab 19.00 Uhr begegneten mir viele angeheiterte, skurill verkleidete und bemalte Menschen, die in jeder nur erdenklichen Weise Lärm machten. Und da erinnerte ich mich, dass doch heute um 20.30 Uhr dieses total unwichtige Halbfinale mit diesem Schlandbrüllreiz ist. Und ich richtete mich darauf ein, dass die Nacht nicht nur lau und schön, sondern auch verhupt und vertrötet sein würde.

Aber nichts dergleichen. Als das Spiel vorbei sein musste, blieb es still. Es blieb so still, dass ich ein dauerhaft hupendes Auto in der Ferne hören konnte und mir dachte, dass es wohl das Auto eines Menschen sein muss, der sich rot und gelb in sein Antlitz schmiert, aber kein Schwarz dazu. Niemand brüllte, niemand trötete.

Ja, es war sogar ruhiger als eine ganz gewöhnliche Sommernacht. Eine wunderschöne Atmosphäre. Der Wohlkang der Stille.

Und dafür: Danke Spanien. Diese Ruhe war das schönste Erlebnis der ganzen Geldmeisterschaft.

Ein besonderes Denkmal der völkerverbindenden Kraft und des entspannten Umganges mit dem ganzen beballerten Nationalgetümel im und rund um den Fußball hat heute ein Mann in Hannover gesetzt, der mit seiner Faustfeuerwaffe zwei Italienern nach einer kleinen Meinungsverschiedenheit unter Fußballfans Löcher in den Kopf schoss:

Tödlicher WM-Streit: Deutscher Fan schießt Italiener in den Kopf -- Wie oft hat Italien die Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen? Darüber sollen ein Deutscher und zwei Italiener in einer Kneipe in Hannovers Rotlichtviertel in Streit geraten sein. Am Ende schoss der Deutsche beiden in den Kopf.

Zum Glück brüllen diese Fan(atic)s sonst nur wie die Viecher rum und drohen Gewalt an…

Und hier eine Meldung vom Rande der Geldmeisterschaft für die Kategorie „Kann man sich gar nicht ausdenken, so etwas“…

WM-Pokal-Kopie aus 11kg Kokain - Eine Kopie der Weltmeistertrophäe voll reinem Kokain ist auf dem Flughafen der kolumbianischen Hauptstadt Bogota entdeckt worden. Die Polizei stieß auf dan [sic!] Nachbau, als sie eine Kuriersendung untersuchte, die nach Madrid gehen sollte. Mit im Paket waren Trikots der vier Mannschaften, die das Viertelfinale bei der WM in Südafrika erreicht hatten. Die Kopie des Pokals habe dem Original praktisch genau entsprochen, allerdings sei es schwerer gewesen als die Trophäe, die am 11. Juli dem Fußball-Weltmeister überreicht wird. In der Kopie waren 11 kg Kokain untergebracht.

Quelle: ARD-Videotext, 4. Juli 2010, 20.51 Uhr

Dass gerade „etwas mit Fußball“ sein muss, bemerkt man jedes Mal, wenn man als Vorübergehender an einem Fernseher vorbeikommt und dort sehen kann, dass mit technisch brillanter Ultra-Zeitlupe gezeigt wird, wie Männer lauthals und mit geballten Fäusten in die Welt brüllen. Ja, diese Zeitlupe ist eine Lupe, und sie wird von den Medienschaffenden auf das gerichtet, was für das Wesentliche gehalten wird und deshalb vom erzwungenen Blick der Zuschauer auch ja genau betrachtet werden soll, damit es wirke. In dieser Lupe vergrößert sich der wahre Kern des barbarischen Ballspektakels, und er verdeutlicht sich auf diesem Wege. Sollte dabei noch etwas unklar bleiben, so sorgt…

Bildzeitungs-Schlagzeile: Dein Messi kriegt heute auf die Fressi

…das andere, weniger bewegte und doch blutrote Bild für die letzte Einsicht in das Wesen des Sports (und des so „unverkrampften“ Umganges mit den Farben der Flagge der Bundesrepublik Deutschland).

Du machst uns noch die ganze schöne Aktion kaputt, Spiegel Online! Bist du wirklich schon so schwarz-rot-bescheuert geworden? Hast du denn gerade deinen inneren Reichsparteitag? Kannst du nicht einmal mehr die Farben der Flagge der Bundesrepublik Deutschland von einer Reichskriegsflagge unterscheiden?

Stell dir mal vor, was das für eine Wirkung hätte, wenn jetzt lauter kleine Reichkriegsfläggchen in die Hundehäufchen gesteckt würden, Spiegel! Schwarzbraun auf Kackbraun ist kein guter Kontrast und wahrlich nicht geeignet, um der unverkrampften Fröhlichkeit der patriotisch korrekten Dekoration der Hinterlassenschaften unserer Hunde den richtigen Ausdruck zu geben.

So, ab jetzt bitte aufpassen!

Zitat Zeit online:

[…] Denn die Steuerzahler haben mittlerweile gemerkt, dass sie die gesamten Zeche für die WM-Party zahlen, während sich die Fifa […]

Falsch! Die Steuerzahler merken gar nix, die tröten und brüllen und saufen und brüllen und tröten in schwarz-rot-doofer Beflaggung und Bemalung vor ihren flackernden Volksempfängern, während sie von vorne bis hinten enteignet und verarscht werden. Schland, Schland, hirnverbrannt… und Deutschland geht dem enthirnten Mob, recht betrachtet, nur noch am Allerwertesten vorbei.

Dank an T. für den Hinweis

Augen auf im Straßenverkehr… und zwar vor allem auch dann, wenn der Brüllball und die Schlandmeisterschaft aus vielen sonst eher unverdächtigen Menschen verantwortungslose Idioten machen. Die hören bestimmt im Auto Radioübertragungen von der Geldmeisterschaft, und dass sie damit andere Menschen gefährden, ist ihnen scheißegal:

Das wollen nun Wissenschaftler des britischen Transport Research Laboratory (TRL) herausgefunden haben. Sie haben untersucht, wie sich das Hören von Sportberichten auf die Fahrer auswirkt. Für den Bericht wurde die Reaktion von 18 Versuchspersonen (9 Frauen, 9 Männer) zwischen 25 und 45 Jahren getestet. Wenig überraschend reagieren die Fahrer, die emotional am stärksten beteiligt sind, am stärksten. Also Vorsicht auf der Straße während des Viertelfinales, wenn die deutsche Mannschaft gegen die argentinische spielt. Die Fahrer, die während des Fahrens dem Bericht über das Spiel zuhören, reagieren bis zu 20 Prozent langsamer als unabgelenkte Fahrer. Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h entspräche dies einem 6 m längeren Bremsweg. Bei den Versuchen verdoppelte sich die Zahl der Fälle, in denen die Fahrer scharf bremsen mussten.

Zum Glück für uns alle halten sich die meisten miesen Autofahrer schon freiwillig an die Kennzeichnungspflicht für die Idioten der Straße. :mrgreen:

Die Bundesfamilienministerin wünscht eine Fortdauer des anlässlich der Fußball-WM erstarkenden Nationalismus in der deutschen Bevölkerung. Das „Schöne an der Weltmeisterschaft“ sehe sie vor allem darin, „dass ein unverkrampfter Patriotismus möglich“ sei, erklärt Kristina Schröder im Hinblick auf die dominierende Präsenz von Deutschlandfahnen aller Art in der Öffentlichkeit. Sie hoffe nun, dass „dieses Gefühl auch über die WM hinaus“ bestehen bleibe. Die Äußerungen der Ministerin werden von einem Konsens nicht nur der Berliner Politik, sondern auch sämtlicher deutscher Massenmedien inklusive ihrer liberalen Segmente getragen, in denen die Identifikation mit der deutschen Mannschaft und eine negative Abgrenzung gegenüber Teams aus anderen Staaten mittlerweile zum guten Ton gehören – missbilligendes Unverständnis gegenüber kritischen Positionen immer häufiger eingeschlossen. Auf lokaler Ebene kommt es zu ersten Kampagnen gegen Organisationen, die sich dem aufbrausenden Nationalismus verweigern. Prominente Sozialwissenschaftler warnen seit Jahren, der angeblich harmlose „Partypatriotismus“ sei durchaus gefährlich und schüre rassistische Ressentiments.

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