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Category Archives: Hinweise

Der schwarz-rot-doofe Wahnsinn ist überstanden.

Sicher, in ein paar Stunden treten noch einmal ein paar Männer im fernen Südafrika nach lederumhüllter Luft, und in Deutschland brüllen und tröten ein paar Leute herum. Aber das wars. Es wird schon viel ruhiger werden, als es bis zum Platzen aller Weltmeisterträume an der Spielstärke der Spanier war. Und die Fähnchen sind zum Teil bereits jetzt eingeholt worden.

Vielleicht wehen ja noch ein paar Stoffe im warmen Wind, vielleicht auch noch so manches patriotisch korrekt gefärbtes Stück Papier auf einem Häuflein Hundekot. Aber diese Aktion ist vorbei, genau wie der scheinbar nationale Taumel angesichts der größten kommerziellen Sportveranstaltung der Welt vorbei ist.

Und sollte es nicht zur Europameisterschaft im Jahre 2012 wieder ein Thema werden, wird auch diese Website ruhen. Sie ist ein Denkmal der Erinnerung an den Sommer 2010, der voller Fahnen und Gebrüll war. Und als solches Denkmal — oder besser Mahnmal — soll sie hier liegen bleiben.

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Augen auf im Straßenverkehr… und zwar vor allem auch dann, wenn der Brüllball und die Schlandmeisterschaft aus vielen sonst eher unverdächtigen Menschen verantwortungslose Idioten machen. Die hören bestimmt im Auto Radioübertragungen von der Geldmeisterschaft, und dass sie damit andere Menschen gefährden, ist ihnen scheißegal:

Das wollen nun Wissenschaftler des britischen Transport Research Laboratory (TRL) herausgefunden haben. Sie haben untersucht, wie sich das Hören von Sportberichten auf die Fahrer auswirkt. Für den Bericht wurde die Reaktion von 18 Versuchspersonen (9 Frauen, 9 Männer) zwischen 25 und 45 Jahren getestet. Wenig überraschend reagieren die Fahrer, die emotional am stärksten beteiligt sind, am stärksten. Also Vorsicht auf der Straße während des Viertelfinales, wenn die deutsche Mannschaft gegen die argentinische spielt. Die Fahrer, die während des Fahrens dem Bericht über das Spiel zuhören, reagieren bis zu 20 Prozent langsamer als unabgelenkte Fahrer. Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h entspräche dies einem 6 m längeren Bremsweg. Bei den Versuchen verdoppelte sich die Zahl der Fälle, in denen die Fahrer scharf bremsen mussten.

Zum Glück für uns alle halten sich die meisten miesen Autofahrer schon freiwillig an die Kennzeichnungspflicht für die Idioten der Straße. :mrgreen:

Screenshot aus Google News, Ressort Sport

Was eint ZDF, Neue Zürcher Zeitung, n-tv, Focus, Deutsche Welle, FAZ, Welt, Zeit, RP, Frankfurter Rundschau und die ganzen anderen Auswürfe des Journalismus-Betriebes im Internet? Dass sie unter Journalismus verstehen, in der Hast einer zum Selbstzweck gewordenen Aktualität möglichst unreflektierte Meldungen mitten ins Spiel zu bringen, als ob jemand, der sich für den Spielverlauf interessiert, nicht eher die Glotze einschalten oder einen der vielen speziellen „Live-Ticker“ benutzen würde, die übrigens auf den gleichen Internet-Präsenzen dieser Presseprodukte angeboten werden.

Aber auf der unentwegten Jagd der Contentindustrie nach Klicks (die mit dem Reklamevermarktern abgerechnet werden) ist eben jedes Mittel recht. Nur nicht Reflexion und Sorgfalt in der Berichterstattung. Der Ball ist nur ein Köder fürs Klickvieh.

Und das. Gibt einen Eindruck in die Zweckbestimmung der sonstigen „Nachrichten“ in diese Produkte.

Wer schon einmal auf seinem Weg einer Horde brüllender, besoffener Idioten begegnet ist, die im Sommer Schals tragen, sich darin gefallen, in jeder nur erdenklichen Weise Krach zum machen und barbarische Gewaltbereitschaft gegen alles, was weniger dumpf als sie selbst ist zu demonstrieren und dabei auch vor offenem Abgröhlen von Naziparolen nicht zurückschrecken, der wird es wohl nicht so überraschend finden, dass es einen Zusammenhang zwischen Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Islamophobie, Antisemitismus und dem recht inszenierten, künstlichen Nationaltaumel einer Fußball-WM gibt. Und wer noch nie einer solchen Horde von leicht steuerbaren potenziellen Mordbrennern begegnet ist und eher dem tollen Getue zur größten kommerziellen Sportveranstaltung der Welt aus Glotze und Journaille glaubt, der wird es vielleicht erhellend finden, wie in der Süddeutschen Zeitung eine Studie des Institutes für Konflikt- und Gewaltforschung vorgestellt wird, die jedem anderen Menschen nur bestätigt, was er aus eigener Erfahrung mit diesem Mob schon vorher wusste:

Der Leiter des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld stellte gestern in Berlin die neuen Ergebnisse einer Langzeituntersuchung zu „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ vor. Unter diesem etwas sperrigen Begriff sind Einstellungen wie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamophobie zusammengefasst, aber auch die Abwertung von Homosexuellen, Behinderten oder Frauen.

[…] In dem diesjährigen fünften Band widmen sich gleich zwei Aufsätze dem Fußballtaumel und den Instrumentalisierungsversuchen der Politiker. Im ersten Beitrag weisen drei junge Wissenschaftler anhand der Langzeitdaten ziemlich überzeugend nach, dass Nationalstolz zu „Fremdgruppenabwertung“ führt. […]

[…] Die Vermutung, dass es sich dabei um eine neue, offene und tolerantere Form der Identifikation mit dem eigenen Land handelt, lässt sich allerdings nicht bestätigen. […] Über die Betonung der ‚Schicksalsgemeinschaft‘ mit raunendem Tiefgang sollen jene Angehörige der Mehrheitsgesellschaft emotional wieder integriert werden, die andererseits sozial desintegriert worden sind.

Wer hätte das angesichts des Millionenirrsinnes im Profi-Männerfußball für möglich gehalten: :mrgreen:

Bei der Fußball-WM in Südafrika wird gedopt. Da ist sich der Journalist Lorenz Rollhäuser sicher. Dopen Fußballer genauso wie Leichtathleten oder Radsportler? […]

Das Thema Doping im Fußball ist bisher ein Tabuthema. Genau damit hat hat sich der Feature- und Hörspielautor Lorenz Rollhäuser in seinem ARD-Radiofeature auseinandergesetzt. Wir haben mit ihm gesprochen.

Viel mehr bei detector.fm

Wenn ich Fotze schreibe. Meine ich auch Fotze. Der Nuttenpapst

Der Nuttenpapst schreibt in der angemessenen Mischung aus Sachlichkeit und Kotzreiz über die mediale Einpeitschung zur FIFA-Geldmeisterschaft 2010 in Südafrika und wagt in seiner unnachahmlichen Neigung zur deutlich deutschen Ausdrucksweise eine Prognose bezüglich der Nachhaltigkeit der kommerziellen Großveranstaltung für die Slum-Bewohner von Johannesburg. Und das ist es wert, genau dort gelesen zu werden!

Am na­tio­na­lis­ti­schen Hype rund um die Män­ner-​Fuß­ball-​Welt­meis­ter­schaft 2010 be­tei­li­gen sich auch die Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker der „Band­brei­te“, die ein schwarz-​rot-​gol­de­nes Lied her­aus­ge­bracht haben, in dem Deutsch­land ge­hul­digt wird. Das Lied nennt sich „Welt­meis­ter (Ja watt denn)“ und ist eine Ode an den deut­schen Ju­bel-​Na­tio­na­lis­mus, der für den Som­mer 2010 her­bei­ge­sehnt wird: „Die Stim­mung steigt, das Bier ist knapp, schon geht mir einer auf den Sack“ […]

Mit dem Na­tio­na­lis­mus, den die heu­ti­ge deut­sche Ge­sell­schaft her­vor­bringt und mit deren ras­sis­ti­schen Aus­gren­zungs­me­cha­nis­men hat „Die Band­brei­te“ in jedem Fall kein Pro­blem. Statt­des­sen diese schwarz-​rot-​gol­de­nen Orgie der „Band­brei­te“, in dem es darum geht, dass die Deut­schen Deutsch­land fei­ern sol­len. Neben die­ser Sehn­sucht nach der Fei­er-​Volks­ge­mein­schaft be­sticht der Track der „Band­brei­te“ durch die Ab­nei­gung gegen die Men­schen, die diese Feie­rei nicht mit­ma­chen wol­len. Gegen „das ewige Ge­heu­le“ der „Pes­si­mis­ten“. Es klingt wie eine Dro­hung wenn die Band tex­tet: „Wir las­sen uns von kei­nem die Stim­mung mehr ver­sau­en“.

Weiterlesen — Reflexion: WM-Nationalismus

Dank der grenzenlosen Gier des Veranstalters der Fußball-Geldmeisterschaft könnte uns allen so manches „public viewing“ erspart bleiben, wie die Financial Times Deutschland berichtet:

Public Viewing war der Renner bei der Fußball WM 2006. Fremde Menschen lagen sich in den Armen, teilten Freud und Leid – und das alles, weil sie gemeinsam vor einem Bildschirm dem Ereignis Fußball folgten. Für die Fifa ein Riesengeschäft. Über ihre Marke „Weltmeisterschaft“ will sie diesmal die volle Kontrolle behalten, sogar über das bloße Aufstellen eines Fernsehers außerhalb der eigenen vier Wände.

Ein Fall aus Berlin könnte dabei zum Präzedenzfall werden. Johanna Ismayr, Betreiberin des Bundespressestrandes an der Spree, möchte zur WM eine Leinwand aufbauen und die Spiele zeigen. Das meldete sie im Februar auf der Fifa-Webseite an. Doch der Fußballweltverband verbot ihr das Vorhaben. Schließlich gebe es in Berlin schon ein Fifa-Fan-Fest. Weitere Public-Viewing-Lizenzen könnten deshalb nicht ausgestellt werden.

Es steht allerdings zu befürchten, dass die FIFA hier — um diese dumme Metapher einmal zu verwenden — ein Eigentor erzielt hat. Die Rechtsauslegung nach FIFA-Gutherrenart könnte nicht so ganz kompatibel zum gültigen Recht in Deutschland sein, und von daher könnte es zu einer Menge Möglichkeiten für fahnenschwenkende Ball-mit-Deutschland-Verwechsler kommen, kollektiv eine Leinwand anzuschreien. Hierfür darf dann allerdings kein Eintritt erhoben werden:

„Veranstalter, die ohne Erhebung eines Eintrittsgeldes WM-Spiele öffentlich zeigen möchten, brauchen hierfür keine FIFA-Lizenz“, formuliert es die Berliner Rechtsanwaltskanzlei Härting in einem Schreiben. Sie beruft sich auf § 87 des Urhebergesetzes.

Gier macht eben doof. Das gilt auch für die FIFA, den Veranstalter der Fußball-Geldmeisterschaft 2010.

Beim Veranstalter der Fußball-Geldmeisterschaft mag man keine Kritik — und kritische Journalisten werden einfach mit einem Maulkorb stummgemacht, damit die Show auch ja den richtigen Eindruck in Presse und Glotze macht:

In den Akkreditierungsregeln der Allmächtigen aus dem Palaste FIFA, c/o Zürich finden sich […] einige […] Bedingungen, die anzuerkennen jeder Journalist sich „rechtlich verbindlich“ zu verpflichten hat […]

Und um dem Fass den Boden auszuschlagen, untersagt die FIFA, man sperre die Lauscher weit, weit auf: „die FIFA in Misskredit zu bringen“ – beziehungsweise „die Reputation der Weltmeisterschaft zu beschädigen“.

Das ist ein astreiner Maulkorberlass, ersonnen von einem Verein profit- und kontroll- und herrschsüchtiger Magnaten, die schon mal kritische Journalisten zu Personae non gratae erklären und dabei gewiss die Präambel des eigenen Ethikcodes im Sinn haben, die folgendermaßen beginnt: „Die FIFA trifft eine besondere Verantwortung, die Integrität und das Ansehen des Fußballs weltweit zu wahren. Die FIFA ist unablässig bestrebt, den Ruf des Fußballs und insbesondere der FIFA vor unmoralischen oder unethischen Machenschaften und Praktiken zu schützen.“

So weit die „Deutsche Welle“, und selbst in der Republik Südafrika hat man gegenüber diesen gutsherrschaftlichen Zensurbestrebungen der FIFA eine klare Einsicht:

Das Komitee für Pressefreiheit des südafrikanischen Zeitungsverlegerverbandes bezeichnete die Akkreditierungskonditionen der FIFA als „Verletzung der Pressefreiheit in großem Ausmaß“. Der Vorsitzende Thabo Leshilo fügte hinzu: „Es ist empörend, womit die FIFA gewohnt ist durchzukommen.“

Von diesen Dingen wird im Sommer, wenn die Menschen zum massenhaften Brüllen, Saufen und Kaufen gebracht werden sollen, gewiss keine Rede mehr sein. Hauptsache, alles brüllt „Tschlannd!“ und jeder kritische Gedanke verstummt. Denn das ist besser für das Geschäft mit dem simulierten Nationalismus.

[via Bits of Freedom]