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Monthly Archives: Juni 2010

Dieter HildebrandtWie der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 21. Juni zu entnehmen ist, hat die Aktion „Mach Deutsch die Scheiße“ einen sehr prominenten Mitstreiter: Den Meister des deutschsprachigen politischen TV-Kabaretts, Dieter Hildebrandt. Dieser gab in einem Interview mit der HAZ unter anderem Folgendes zum gegenwärtigen schwarz-rot-doofen Dummfug der Brüllbegeisterung während der Geldmeisterschaft zum besten:

[…] Das Fußballvolk, das besoffen von Horden von Polizisten „wie eine Bullenherde“ in die Stadien begleitet werden muss, nennt er das „dümmste Volk überhaupt“ und hat auch zu den überall auftauchenden Fahnen das eine oder andere zu sagen: „Nein, ist das schön!“, knart er garstig ins Mikrofon. „Ich habe die Dinger auch, und wenn ich mit meinen Hunden spazieren gehe, stecke ich auf jeden Haufen so ein Winkelement.“

Als besonderen Dank an Dieter Hildebrandt hier ein Scan des gesamten Artikels in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (zum Vergrößern klicken):

Scan des Artikels in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zu Dieter Hildebrandt und seiner Haltung zum Fahnenwahnsinn der FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2010

Bei so wortgewaltiger Unterstützung kann es ja nur noch ein riesengroßer Erfolg werden, ganz Deutschland patriotisch korrekt zu schmücken, einschließlich der Hinterlassenschaften des treuesten Freundes der Menschen.

Danke für den Hinweis an E.T. und N.N., die offenbar tapfer im Zeitalter der Totalenthirnung ihre Zeitungslektüre fortsetzen…

Ich bin immer wieder darüber entsetzt, wie viele Menschen sich in den Strassen zusammenfinden, wenn es um ‚Sport‘ geht – beim Kampf um die eigenen Grundrechte schaffen es nicht mal 1% dieser Vollidioten auf die Strasse — und was heisst hier eigentlich ‚Sport‘???

Duckhome [via Perspektive 2010]

Das sind für mich so dämliche Websites wie http://www.ARDZDFundSie.de. Da wird geworben, dass es ja die Gebührenzahler seien, welche es möglich machen, dass die Fussball-WM 2010 in Deutschland unverschlüsselt im TV ausgestrahlt werden kann. Genau das wäre aber für mich eher ein Grund, keine Gebühren zu zahlen und solchen teuer gesponserten Sport-Firlefanz entweder im werbefinanzierten Privatfernsehen oder gleich im Pay-TV auszustrahlen. Aber Schwarz-Gelb braucht diesen Schwachsinn aktuell ja, damit sie bis zum Finale weitgehend widerstandslos ihr sozial absolut unverträgliches Sparpaket durchdrücken können, während die ganzen Deppen beim Fussball-TV besoffen und fett werden.

Perspektive 2010

Ich drücke der Mannschaft von Ghana heute abend ganz fest die Daumen, obwohl mir persönlich diese größte kommerzielle Sportveranstaltung der Welt am Allerwertesten vorbei geht. Denn wenn es tatsächlich zum Vorrundenaus für die künstlich medial hochgejuchzten Millionäre menschlichen Litfaßsäulen des deutschtümelnden Ballgetretes kommen sollte, denn wird hoffentlich der eine oder andere bemerken, wie groß das Ausmaß der Geldverschwendung ist, wenn für die Übertragungsrechte des bundesdeutschen Staatsfernsehens an so einem Schwachfug gewaltige Beträge verbrannt werden, während eine Bande von verbrecherischen Lügnern das ganze Land abwirtschaftet und an den Meistbietenden verhökert. Wer ein heiteres Gemüt hat, der kann gern sagen, dass ich aus deutschem Patriotismus für die Mannschaft aus Ghana hoffe.

Die allgemeine Dummheit der Reklame, die zu Zeiten der Fußball-Geldmeisterschaft alles noch so fernliegende in irgendeine Relation zum Fußball bringen muss, sie macht vor nichts halt. Zum Beispiel ist es eine interessante Rätselfrage, was uns die doch recht renommierte Süddeutsche Zeitung…

Die Werbung, ein animiertes GIF

…damit sagen will, dass sie ein Abbild des Layouts ihrer Zeitung auf die Oberfläche eines Fussballes projiziert und darunter schreibt, dass man doch anspruchsvoll sein soll. Soll ich jetzt etwa nach diesem Blatt treten? Profitiere ich dadurch und kriege ich Geld und Uhren geschenkt? Es ist einfach nur gnadenlos dumm, was den Werbern zurzeit so durch den Kopf schießt.



P1090149, ursprünglich hochgeladen von ngc2024

Screenshot aus Google News, Ressort Sport

Was eint ZDF, Neue Zürcher Zeitung, n-tv, Focus, Deutsche Welle, FAZ, Welt, Zeit, RP, Frankfurter Rundschau und die ganzen anderen Auswürfe des Journalismus-Betriebes im Internet? Dass sie unter Journalismus verstehen, in der Hast einer zum Selbstzweck gewordenen Aktualität möglichst unreflektierte Meldungen mitten ins Spiel zu bringen, als ob jemand, der sich für den Spielverlauf interessiert, nicht eher die Glotze einschalten oder einen der vielen speziellen „Live-Ticker“ benutzen würde, die übrigens auf den gleichen Internet-Präsenzen dieser Presseprodukte angeboten werden.

Aber auf der unentwegten Jagd der Contentindustrie nach Klicks (die mit dem Reklamevermarktern abgerechnet werden) ist eben jedes Mittel recht. Nur nicht Reflexion und Sorgfalt in der Berichterstattung. Der Ball ist nur ein Köder fürs Klickvieh.

Und das. Gibt einen Eindruck in die Zweckbestimmung der sonstigen „Nachrichten“ in diese Produkte.

Deutschland hat denen gerade Rente und Heizungsgeld gestrichen, aber egal. Hauptsache mitgröhlen.

Wer schon einmal auf seinem Weg einer Horde brüllender, besoffener Idioten begegnet ist, die im Sommer Schals tragen, sich darin gefallen, in jeder nur erdenklichen Weise Krach zum machen und barbarische Gewaltbereitschaft gegen alles, was weniger dumpf als sie selbst ist zu demonstrieren und dabei auch vor offenem Abgröhlen von Naziparolen nicht zurückschrecken, der wird es wohl nicht so überraschend finden, dass es einen Zusammenhang zwischen Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Islamophobie, Antisemitismus und dem recht inszenierten, künstlichen Nationaltaumel einer Fußball-WM gibt. Und wer noch nie einer solchen Horde von leicht steuerbaren potenziellen Mordbrennern begegnet ist und eher dem tollen Getue zur größten kommerziellen Sportveranstaltung der Welt aus Glotze und Journaille glaubt, der wird es vielleicht erhellend finden, wie in der Süddeutschen Zeitung eine Studie des Institutes für Konflikt- und Gewaltforschung vorgestellt wird, die jedem anderen Menschen nur bestätigt, was er aus eigener Erfahrung mit diesem Mob schon vorher wusste:

Der Leiter des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld stellte gestern in Berlin die neuen Ergebnisse einer Langzeituntersuchung zu „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ vor. Unter diesem etwas sperrigen Begriff sind Einstellungen wie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamophobie zusammengefasst, aber auch die Abwertung von Homosexuellen, Behinderten oder Frauen.

[…] In dem diesjährigen fünften Band widmen sich gleich zwei Aufsätze dem Fußballtaumel und den Instrumentalisierungsversuchen der Politiker. Im ersten Beitrag weisen drei junge Wissenschaftler anhand der Langzeitdaten ziemlich überzeugend nach, dass Nationalstolz zu „Fremdgruppenabwertung“ führt. […]

[…] Die Vermutung, dass es sich dabei um eine neue, offene und tolerantere Form der Identifikation mit dem eigenen Land handelt, lässt sich allerdings nicht bestätigen. […] Über die Betonung der ‚Schicksalsgemeinschaft‘ mit raunendem Tiefgang sollen jene Angehörige der Mehrheitsgesellschaft emotional wieder integriert werden, die andererseits sozial desintegriert worden sind.

Diese hervorragende Zusammenfassung des gegenwärtigen Fernsehprogrammes gibt es leider nur in englischer Sprache, aber sie trifft und ist wohl gut genug verständlich…

Mitchell & Webb – Football, Football, Football | YouTube-Direktlink



Niedersächsische Vuvuzela, ursprünglich hochgeladen von dwarslöper

Na, keine Vuvuzela bekommen, weil die wie warme Semmeln weggingen? Ganz allein im allgemeinen Tröten und so viel Lust, mitzumachen? Eine Vuvuzela kann man sich ganz einfach selbst machen, etwa aus einer Gießkanne. Dröhnt genau so gut wie die käuflichen Plastiktröten. Aber bitte an die patriotisch korrekten Farben denken!